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Talkshows: Ausgewogen und zu leicht befunden

von Klaus Rainer Röhl
02.07.2012, Beitrag in:
 
Permalink: http://www.gegenargument.at/texte/56_Talkshows_Ausgewogen_und_zu_leicht_befunden
 
Moderator Markus Lanz (© ZDF)
Moderator Markus Lanz (© ZDF)
Kaum ist Angela Merkel, auf wundersame Weise unverletzt und unausgeschlafen aus Paris und Brüssel zurück im Bundestag, setzen sich die politischen Schaumacher in Bewegung. Doch alle die Talkshows haben sich heute zu einer gewissen Gleichförmigkeit mit dem Unterhaltungswert null abgeschliffen.
War der Auftritt der Kanzlerin eine Niederlage? Kommt jetzt die Lösung der Krise? Kommen der Fiskalpakt, die Bankenunion? Die Euro-Bonds? Wurde die Kanzlerin über den Tisch gezogen? Was sagt der meistens ungefragt redende SPD-Genosse Martin Schulz vom Europa-Parlament? Was sagen Barroso und Juncker, was die spanischen und italienischen Ministerpräsidenten, haben sie über die Kanzlerin triumphiert?

Jetzt wird alles wichtig ausdiskutiert

Wenn das am Montag abend von dem ewig grundlos gut gelaunten Frank Plasberg in „Hart aber fair“ noch nicht genügend ausdiskutiert wurde, wird es garantiert am Dienstag bei Markus Lanz und am Mittwoch bei Anne Will vertieft.

Ich schreibe diese Kolumne am Sonntag abend, aber der Ablauf steht so fest wie die Absicht der Talkmaster, das Publikum auf keinen Fall zu informieren. Eher auf sanfte Weise dumm und dämlich zu quasseln, bis niemand mehr irgendetwas durchschaut.

Also: Wie gut ist der ESM für den EURO und Europa? Nicht: Wer wird das bezahlen? Und: Ist der EURO nun gerettet? und nicht: War der Euro überhaupt eine gute Idee? Werden sich „die Märkte“ beruhigen? Und nicht: Wer sind die „Märkte“? Sitzen sie in einem Haus mit Telefonen? Haben sie Farbe, Geruch und eine Adresse? Wann kommen die Euro-Bonds? Und nicht: Wie kann man die Euro-Bonds verhindern?

Den Anschein wahren

Um den Anschein zu erwecken, daß man eine ausgewogene, pluralistische Sendung anbietet, die alle Seiten ausreichend zu Worte kommen läßt, lädt man die Gäste ein – zwei kraus, zwei glatt, zwei links, zwei rechts und noch einen skurril gekleideten Spinner oder Schriftsteller oder Lebenskünstler dazu. Alles sehr ausgewogen. Würde man denken, wenn man vom Mond käme. Ist aber auf der Erde in deutschen Talkshows anders.

Viel links, ein wenig rechts

Wen also lädt man ein, sagen wir, zur Frage des Euro-Krise? Zunächst einen Hardliner von Grün-Rot, Minister oder Grünen-Vorsitzenden, gut erholt, gesund, dynamisch, redegewandt, man könnte auch sagen, demagogisch. Typ Trittin oder Gabriel.

Dann ein Gegenspieler von rechts, ja – woher nehmen? Am Ende läuft es dann auf Wolfgang Bosbach hinaus, wenn der absagt, lädt man eben Arnulf Baring ein, der von Mal zu Mal resignierter lächelt, so oft hat er Selbstverständlichkeiten geduldig vor tauben Ohren schon wiederholt.

Einen Typ, der jung, gut erholt, redegewandt, notfalls auch mal demagogisch wäre wie von Guttenberg, hat man in der CDU und der FDP nicht mehr zu bieten. Sie sind in der Koalition längst ausgeschaltet worden.

Auch „Experten“ dürfen nicht fehlen

Dann kommen die sogenannten Experten. Ein Finanz-Experte, der bei näherem Hinsehen eher links oder grün gestimmt ist, aber einen ausgewogenen, geradezu wissenschaftlichen Ton anschlägt und eine sympathische, vertrauenerweckende Miene aufgesetzt hat.

Als Gegenspieler ein Vertreter der Banken oder der „Märkte“, der schon äußerlich einen ungünstigen Eindruck macht (so einen findet man leicht) und, ein bißchen hart angefaßt, sich provozieren läßt („Lassen Sie mich doch bitte ausreden!“) und schnell beim Publikum durchfällt.

Ja nicht auf die Quotenfrau vergessen

Und nun kommt der jeweils fünfte Diskussionsteilnehmer. Wetten - es ist eine Frau, jung, aufgekratzt und gut drauf, mit Bubikopf-Frisur aus den zwanziger Jahren, flotter Feger, meistens von der LINKEN oder der „Grünen Jugend“ oder den Piraten. Die Talkshow ist gelaufen. Und die nächste dieser Art kommt bestimmt. Von Plasberg, Anne Will, Günter Jauch oder Maybrit Illner.

Junge Grüne hin und flotte Piratinnen her!

Aber das ständige, absurd disproportionierte Auftreten von Vertretern der LINKEN ist so auffällig, als wenn es System hätte. Ist nicht die dreimal umbenannte SED, mit dem Vermögen, den Mitgliedern, der Infrastruktur und meistens auch mit der Ideologie der SED auch unter ihrem vorläufig letzten Namen DIE LINKE eine verfassungsfeindliche, nicht umsonst in mehreren Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtete Partei wie die NPD?

Mehr und mehr wird die Bekämpfung des Extremismus an allen Ecken und Kanten unserer Republik gefordert, oft und gerade von den ganz Jungen mit glühendem Eifer und glaubhaftem Zorn. Aber nur von wenigen Politikern, meist aus Bayern, wird mehr oder weniger zaghaft hinzugefügt, daß man den Extremismus von rechts und links bekämpfen müsse.

Autos abfackeln im Kampf gegen den Patriotismus

Gegen die Gewalt, mit den Autonomen? Haut die Glatzen, bis sie platzen! und Autos abfackeln und Kampf gegen den Patriotismus durch Abknicken und Verbrennen der Deutschland-Fahnen? Mit Honeckers Erben und Stalins Verehrern gegen die Rechtsextremen? Mit dem Bock als Gärtner? Kampf gegen den Extremismus – mit der Antifa? Seit Hannah Ahrend sollten wir wissen, daß der Kampf gegen den Totalitarismus unteilbar ist.

Entweder - oder

Entweder - oder. Sagen wir das unseren jungen, glühenden, zornigen Kämpfern für die Menschenrechte und die Demokratie. Der Kampf gegen die Gewalt und für die Menschenrechte ist unteilbar. Stalin und Hitler sind keine Vorbilder. Sie sind Geschichte, schlimm genug, das muß auch Sahra Wagenknecht lernen, bevor sie in der nächsten Talkshow lauthals das Loblied auf den Sozialismus singt und ihre große Wertschätzung für Stalin still verschweigt.

Ein offenes Wort wäre erforderlich und auch nützlich für die umbenannte SED. Findet sicher auch ihr Lebensabschnittsgefährte Oskar, der nie was mit Stalin am Hut hatte. Thema für die nächste Sendung?

Talkshows werden zu Propagandasendungen
Unsere politischen Talkshows werden allmählich gefährlich. Langweilig waren sie schon immer. Aber durch die wundersame Vervielfachung seit einem Jahr läuft die ganze Woche - sogar am Sonntag - jeden Abend zur besten Sendezeit eine politisch einseitige Propaganda-Sendung.

Das ist frech, denn es gibt ja auch einen öffentlichen Auftrag der Anstalten zur Information - und den bezahlen wir mit unseren Gebühren. Dieser Auftrag kann nicht nur durch flächendeckende Fußball-Reportagen und Berichte über Naturereignisse erfüllt werden, er schließt grundsätzlich auch politische Information ein. Information, nicht Desinformation.

Propagenada und Nonsens

Linksdrehende Propaganda und - Ablenkung durch Nonsens (wie „Alle Deutschen sind Antisemiten“ oder „Dem Sozialismus gehört die Zukunft“), oder Verbreitung von offenkundigem Unfug („Deutschland muß die Schulden der Welt zahlen, weil wir 1932 Hitler gewählt haben“) sind das Gegenteil von Information - Desinformation.

Trotz heftiger Bemühungen besonders der Neukommer wie Günter Jauch oder Frank Plasberg, sich und ihrer Talkshow ein besonderes Profil zu verleihen, ist, wenn man ehrlich ist, ein Unterschied zwischen den Sendungen im schnellen Ablauf der Wochentage kaum auszumachen.

Gleichtförmigkeit und Eigenpropaganda

Alle Talkshows haben sich heute zu einer gewissen Gleichförmigkeit abgeschliffen. Gestartet als politischer Klönschnack mit Unterhaltungswert und viel gutem Willen zur Demokratie, ist heute der Unterhaltungswert dieser Sendungen null und der gute Wille pure Eigenpropaganda geworden.

Die Macher selber mögen sich sogar einbilden, kolossal unterschiedlich und einmalig zu sein. Geschenkt. Einmalig sind wir alle. Nur ahnen sie kaum, daß wir - und das ist die Mehrheit der Deutschen, sie einmalig satt haben. Wie satt, das steht in keiner Quoten-Meldung. Es gibt auch zähneknirschende Zuschauer.
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Kalenderblatt Datum: 2. Juli 2012
Autoren-Person
Autor:
Klaus Rainer Röhl
Genre-Zuordnung
in:
Gesellschaftspolitik
  Medien
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George Bernard Shaw (1856 – 1950)