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Polizeistaat ohne Bargeld

06.12.2012, Beitrag in:
 
Permalink: http://www.gegenargument.at/texte/109_Polizeistaat_ohne_Bargeld
 
Bargeld ade: Überwachung via Kreditkarte - Orwell läßt Grüßen! (Fotolia)
Bargeld ade: Überwachung via Kreditkarte - Orwell läßt Grüßen! (Fotolia)
Erschreckende Nachrichten erreichen uns dieser Tage aus Italien sowie weiteren EU-Ländern. Die dreisten Überwachungsstaaten wollen das Bargeld verbieten oder zumindest auf Kleinstbeträge reduzieren. Natürlich mit einem guten Vorwand: Schwarzgeld und Steuerhinterziehung. Zu jeder neuen Einschränkung fällt den Machthabern ein „guter“ Grund ein.
In Italien sollen schon bald nur mehr Bargeschäfte in Höhe von 50 Euro möglich sein, der Rest wäre dann mit „Plastikgeld“ zu begleichen. Was soll das bringen? Große, aber einfache Idee: Jede Zahlung, die mit Karte erfolgt, wird natürlich gespeichert und ist mit dem Konto des Kunden verknüpft. Sonst würden ja diverse Abbuchungen von Bankomatkarten und Kreditkarten nie beim Kunden auf der Rechnung erscheinen. So weit, so gut, alles schon gehabt.

Ziel gläserner Bürger

Die Maximalhöhe von Bargeldbezahlungen aber so zu reduzieren, hat drastische Auswirkungen. Zahlen Sie bar an der Kassa, kennt niemand Ihren Namen, nur den Artikel, Preis und Verkaufsdatum. Wird aber alles per Karte beglichen, sind Sie quasi permanent auf der Landkarte zu finden. „Je kleiner der Betrag, desto größer die Überwachung“ wäre wohl eine legitime Aussage. Dieses System hat die italienische Regierung, laut Angaben der Tageszeitung „La Repubblica“, schon im September 2012 beschlossen.

Nur zehn Prozent der Italiener bezahlen mit Karte, in anderen Ländern seien es dreimal so viele, folglich zahlen Italiener zu 90 Prozent mit Bargeld (in Deutschland „nur“ 78 Prozent). Vittorio Grilli, stellvertretender Finanzminister, sagte im Dezember 2011, daß die Bargeldzahlung in Italien tief verwurzelt sei. Hier gibt man sich eigentlich selbst die Antwort, man trifft damit ja die breite Masse. Noch dazu besitzen viele Menschen gar keine Kreditkarte, bis zu 7,5 Millionen Menschen, vor allem ältere, so Grilli.

So wie bei der Euro-Umstellung damals, wird so eine Veränderung die ältere Bevölkerung, die natürlich nicht mehr so anpassungsfähig ist, am härtesten treffen. Wen kümmert‘s? Niemanden, überwachen will man ja jeden!

Die italienische Bevölkerung und ihre Krux mit den Steuern

In Italien ist es schwierig, als normaler Bürger mit einer Kreditkarte zu zahlen, denn meistens steigen dadurch an der Kassa die Preise. Ein Beispiel ist Floriana d’Andrea, eine Musikerin aus Neapel: „Ich habe kürzlich eine teure Tonausrüstung erstanden, und als ich um eine Quittung gebeten habe, setzte der Verkäufer den Preis auf einmal deutlich herauf.“ In Italien ist es anscheinend Usus, daß man viele Beträge ohne Rechnungen begleicht, der Verkäufer gibt die Ware etwas billiger ab – und der Kunde bezahlt weniger, dadurch „teilt“ man sich die (natürlich nicht bezahlte) Mehrwertsteuer.

Auch ist es der Fall, daß viele Gehälter bar ausgezahlt werden, damit können die Angestellten bei Steuererklärungen weniger Gehalt angeben, als sie eigentlich bekommen. „Wie im alten Rom“ könnte man meinen, außerdem kommen bei diesen Meldungen sofort Gedanken an Griechenland auf. Bei diesem Pflichtbewußtsein der südländischen EU-Länder, kann man sich nicht wundern, daß sie dort stehen, wo sie heutzutage nun einmal stehen: chronisch am Abgrund.

Italien, Spanien, Schweden. Warum ausgerechnet Schweden?

Schweden war 1661 das erste Land, das Papiergeld einführte, es könnte auch das erste Land sein, das es wieder abschafft. In den meisten Städten wird in Bussen kein Bargeld mehr akzeptiert, man bezahlt per SMS. In den Läden ein ähnliches Bild, die Kreditkarte ist mehr als stark auf dem Vormarsch.

In Schweden benutzt man die Masche, daß man mit digitalem Geld schwerer ausgeraubt werden kann. Das stimmt bedingt, Wertsachen zu Hause sind wohl kaum davon betroffen, und die Kreditkartenbetrügereien sind doch auch mehr als florierend. Das bestätigen auch die Sicherheitsbehörden in Schweden, die Fälle seien von 3.300 im Jahre 2000 auf fast 20.000 im Jahre 2011 gestiegen.

Ob hier eine reale Verbesserung stattfindet, kann man bezweifeln, viel mehr ermöglicht man Verbrechern eher, ihr „Handwerk“ von zu Hause auszuüben und einem möglichen Gerangel um die Geldbörse auch noch zu entgehen. Ein weiterer Wegbereiter dieser Zahlungsmethoden sind natürlich die Smartphones; diese sind schon länger fähig, Bankgeschäfte mobil abzuwickeln.

In Marktumfragen bekommt man öfters die Frage gestellt, ob man sich vorstellen kann, daß das Handy als Personalausweis, Reisepass und Kreditkarte fungieren könnte. Damit ist die mobile Überwachung perfekt, GPS am Handy, Bankgeschäfte und Zahlungen auf Schritt und Tritt verfolgt und bei jedem Übertreten der Landesgrenzen (die es in unserem Europa ohnehin nicht mehr lange geben wird) ist man unter Observation. Herrlich, oder?

Irgendwo müssen doch auch die Banken profitieren – oder nicht?

Natürlich, um dieses Phänomen kommt man in unseren Zeiten nicht mehr herum. Bei jeder Transaktion müssen Einzelhändler in Schweden 60 Cent an ihre Bank abgeben – und ein Gesetz verbiete es ihr, die Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, sagt die Stockholmer Kioskbetreiberin Hanna Celik.

Bei der Entwicklung gehe es also nicht nur um eine Vereinfachung des Alltags, sondern auch um das Profitstreben der Finanzinstitute. Und den EU-Staaten geht es wohl wieder um transatlantische Interessen bzw. deren treue Erfüllung.

Der Bürger wird sukzessive verzeichnet, ausgehorcht und beobachtet. Der Alptraum der absoluten Überwachung wird immer konkreter. Und komischerweise werden jedes Mal aufs neue fadenscheinigste Gründe vorgeschoben. Stets geht es um Erleichterungen für den Bürger, dann geht es – wie im besagten Fall – um öffentliche Interessen im Sinne der Steuergerechtigkeit. Im Grunde verliert immer der Bürger, und zwar subtil. In kleinen Schritten – und ehe man sich versieht – ist man ein unfreier Mann.
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Kalenderblatt Datum: 6. Dezember 2012
Genre-Zuordnung
in:
Gesellschaftspolitik
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